Fast wie beim ersten Mal

GC32 Racing Tour 2021

Am Nachmittag des 30. Juni war es endlich soweit: Nach mehr als 18 Monaten Unterbruch fiel der lang ersehnte Startschuss zum GC32 Lagos Cup und damit zum ersten Event der GC32 Racing Tour 2021.

Dieser Moment liess lange auf sich warten. Immer wieder haben wir gehofft, oft gebangt und gefiebert, dass es zu einer Entspannung und damit zu den erforderlichen Lockerungen kommen möge. Die Zwischenzeit haben wir dazu genutzt, uns fit zu halten, zu üben und das Boot auf Vordermann zu bringen.

Entsprechend gross war dann die Vorfreude und die Nervosität. Mit dem Startschuss zum ersten Rennen am Donnerstag, 13:00 Uhr Lokalzeit, fand das Geduld-haben endlich ein Ende.

Euphorie am Start

Mit einem merkwürdigen Hochgefühl fuhren wir nach so langer Zeit das erste Mal über die Startlinie – fast war es so, wie bei unserem ersten Rennen vor zwei Jahren.

Mit einem zweiten Platz hinter Alinghi wurde diese Euphorie auch gleich belohnt.

Doch danach wurde schnell klar, dass auch die anderen Teams in den Lockdowns nicht geschlafen hatten. Der Kampf um die Plätze war lanciert.

Die Positionskämpfe forderten allen Teams absolute Höchstleistungen ab. Die steten Wechsel in der Führung in den einzelnen Rennen zeigten, wie dicht die Spitze auch diese Saison wieder beisammen ist. Bedauerlicherweise konnten wir das Niveau vom Start nicht über alle Rennen halten. Stattdessen begann für uns ein kräftezehrendes Up-and-down. Dennoch konnten wir im Gesamtresultat den ersten Tag auf dem Podest beenden.

Ein kurzes Debriefing am Abend führte uns die wichtigsten Punkte nochmals vor Augen. Negatives wurde diskutiert und abgehakt. Im Teammeeting am nächsten Morgen wurde der Vortag dann detailliert angeschaut und die positiven Momente hervorgehoben.

Gut durch den Coach vorbereitet machten wir uns auf in den zweiten Tag.

Schockmoment im Race 7

Schon fast übermotiviert starteten wir in den zweiten Renntag und versuchten, den Vortag zu vergessen. Leider konnten wir unsere Ambitionen zu wenig in gute Resultate umwandeln.

Im siebten Lauf dann der grosse Schockmoment: Kurz nach dem Start brach der untere Mastbereich im vollen Flug plötzlich weg. Als die Konstruktion mit einem lauten Knall brach, verstand niemand an Bord sogleich, was eigentlich passierte. Erst als der Mast und die Segel ins Wasser stürzten, reagierten wir.

Die erste Aktion war, zu prüfen, ob die gesamte Crew unverletzt war. Rettungsboote trafen ein. Der geborstene Mast wurde gesichert, damit er nicht das Boot beschädigen konnte. Dann machten wir uns ans Bergen der Segel. Dank der unverzüglichen Hilfe durch Veranstalter, andere Teams und unserer gesamten Crew, konnten wir die Segel ohne nennenswerte Schäden bergen, die Maststücke an Bord hieven und sichern, um in die Marina zurückzufahren. Der Kranführer wurde telefonisch voravisiert und das Boot sofort ausgewassert. An Land wurden die Schäden begutachtet und ein Plan erstellt, was zu ersetzen war und wie wir uns organisierten.

Dank dem französischen Team Zoulou, das uns einen Teil ihres Ersatzmasten zur Verfügung stellte und Team Alinghi, welches Ersatzwanten beisteuerte, war an eine schnelle Reparatur überhaupt zu denken. In einer gemeinsamen Nachtschicht vollbrachten wir einen kleinen Kraftakt, und am nächsten Morgen war die Black Star wieder bereit zum Einwassern und Lossegeln.

Restart mit neuem Mast

Solche Ausnahmesituationen schweissen zusammen und tragen dazu bei, als Team gesetzte Ziele konsequenter zu verfolgen.

Wir starteten am Samstag in den ersten Lauf mit der Ambition, unser «Comeback» mit einem Sieg zu krönen. In Führung liegend erwischten wir leider einen Winddreher falsch und mussten die Dänen und Franzosen unter dem Land vorbeiziehen lassen. Den ersten Black Star Sailing Team Laufsieg an einer GC32 Racing Tour Regatta holten wir dann im zweiten Rennen nach. Doch in den folgenden Läufen waren wir wieder zu wenig konstant in unseren Manövern und taktischen Entscheidungen, sodass wir am Samstag den Sprung zurück aufs Podest nicht mehr schafften.

Deshalb stand der Sonntag als letzter Regatta-Tag ganz im Zeichen des Kampfs um einen Podestplatz. Alinghi lag ziemlich klar vorn, während bei den Plätzen zwei bis fünf noch alles offen war. Da uns nur wenige Punkte voneinander trennten, wurde hart um jeden Zentimeter gekämpft. Trotz eines Laufsieges im letzten Rennen mussten wir uns mit lediglich einem Punkt Rückstand mit dem vierten Platz begnügen.

Natürlich ist diese Klassierung in der ersten Regatta unserer zweiten Saison eine beachtliche Steigerung. Aber mit den besseren Leistungen steigen auch die Ansprüche und die Erwartungen.

Wir ziehen für uns das Positive heraus und trösten uns mit dem Gedanken, dass wir uns ohne Mastbruch vielleicht besser klassiert hätten. Zugleich sehen wir uns aber auch selbstkritisch und blicken zurück auf jene Regatten, in denen wir in Führung liegend kontinuierlich nach hinten im Klassement gesegelt sind.

Wir freuen uns darauf, unsere Form bereits in zwei Woche abermals in Lagos unter Beweis zu stellen.

Wir sagen Danke

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an die Organisatoren der GC32 Racing Tour und dem GC32 Lagos Cup in Portugal für die Arbeit und die Hilfsbereitschaft, dem Team Zoulou und dem Team Alinghi für das grosszügige Aushelfen mit Ersatzmaterial und natürlich unserem eigenen Team für die erbrachte Leistung, den Zusammenhalt und den Extra-Effort.

Ein besonderes Danke möchten wir an all unsere Fans und an unsere Familien und Freunde richten, die mit zahlreichen Mitteilungen uns Mut machten und zum Durchhalten aufmunterten.

Last but not least danken wir unseren Partnern und Sponsoren für ihre grosszügige Unterstützung.

 

Hier findest du die Resultate und die GPS Aufzeichnungen vom GC32 Lagos Cup Nr. 1:

Das Segeln mit einem Foiling-Katamaran geht immer wieder an die Belastungsgrenzen. Nicht nur für die Crew-Member, sondern auch für das Material.
Das Segeln mit einem Foiling-Katamaran geht immer wieder an die Belastungsgrenzen. Nicht nur für die Crew-Member, sondern auch für das Material.
Im Race Nr. 7 am zweiten Tag war es für unseren Mast wohl zu viel: Mit einem lauten Knall barst er im unteren Bereich ...
Im Race Nr. 7 am zweiten Tag war es für unseren Mast wohl zu viel: Mit einem lauten Knall barst er im unteren Bereich …
... und bevor wir an Bord begriffen, was genau passiert war ...
… und bevor wir an Bord begriffen, was genau passiert war …
... blieben wir stehen und Mast und Segel stürzten vor uns ins Meer.
… blieben wir stehen und Mast und Segel stürzten vor uns ins Meer.
Glücklicherweise wurde niemand verletzt und nebst dem Mast blieb das Boot unversehrt.
Glücklicherweise wurde niemand verletzt und nebst dem Mast blieb das Boot unversehrt.
Dank schneller Hilfe konnten wir auch das Segel retten und waren dank der Unterstützung anderer Teams ...
Dank schneller Hilfe konnten wir auch das Segel retten und waren dank der Unterstützung anderer Teams …
... bereits am nächsten Tag wieder startbereit.
… bereits am nächsten Tag wieder startbereit.

Photocredits: GC32 Racing Tour / © 2021 Sailing Energy

Weitere Bilder zum ersten GC32 Lagos Cup 2021 sind in unserer Galerie zu finden.