Bericht 2 – C31 UK Series Round 1-4, 44Cup Marstrand
«Costa del Solent»
Vier Runden der Cape 31 UK Series in acht Wochen liegen nun hinter dem Black Star Sailing Team, und dazwischen auch noch der 44Cup Marstrand. Was der britische Solent und das Kattegat vor der Küste Schwedens für uns innert kürzester Zeit bereithielten, hätte für eine ganze Saison gereicht: Mediterrane Hitze bei fünf Knoten Wind, Sturmböen mit 38 Knoten, und dazwischen jene Seabreeze, wegen der wir uns vor allem auf Südengland freuten.
Cape 31 UK Series – Round 1: Royal Yacht Squadron
8. – 10. Mai 2026, Cowes, Isle of Wight, Grossbritannien
Als sich das Black Star Sailing Cape 31 Team im Winter darauf verständigte, die Saison 2026 an der englischen Südküste zu verbringen, ging es dabei nicht primär darum, auf dem Solent zu regattieren. Obwohl das Revier uns aus früheren Events durchaus bekannt ist, war also nicht die Aussicht auf die «Costa del Solent» unsere Hauptmotivation, an der Cape 31 UK Series 2026 teilzunehmen, sondern zwei eher nüchterne Überlegungen: Die UK Series verlangt deutlich weniger logistischen Aufwand als der Mittelmeer-Circuit, weil die Austragungsorte eng beieinanderliegen. Und der Solent verspricht genau jene Bedingungen, an denen eine neu formierte Crew schnell wächst: viel Wind und dazu alles, was ein gut eingespieltes Team erfordert.
Die Fahrt mit dem IVECO Truck und dem Trailer verlief ohne Probleme, selbst das Verladen auf den Autozug für den Tunneltransport unter dem Ärmelkanal war innert Kürze erledigt. Gut in Hamble angekommen, wurden wir von sonnigem Wetter empfangen – ideal für den Aufbau unserer Cape 31. Auch das ging zügig über die Bühne.
Die Marina in Hamble bietet zudem einen hervorragenden Service an: Unsere Yacht wird künftig für uns vor der Regatta eingewassert, sodass wir ziemlich kurzfristig für den Trainingstag einfliegen können und bereits alles ready ist. Nach der Regatta wird die Yacht gemeinsam mit unserem Shoreteam ausgewassert, gereinigt und für den nächsten Event vorbereitet.
Bei schönem Wetter und moderaten Winden konnten wir unsere erste Trainingseinheit vor der ersten Regatta starten. Und auch während der Regatta war das Wetter zu Beginn freundlich und nicht «England like», was wir natürlich schätzten. Die Herausforderungen beim Segeln im Solent sind neben den teilweise stürmischen Winden die Strömung, welche durch die Gezeiten stark ist, und die vielen Untiefen. Wir starteten gut in die Rennen und setzten uns schnell im vorderen Drittel fest. Obwohl weniger Teams am Start sind als im Med Circuit, sind die Rennen nicht weniger intensiv und die Abstände knapp. Der Sonntag empfing uns mit dem typisch englischen Wetter. Stürmische Winde, Kälte und Regen stellten uns vor neue Herausforderungen. Wir verloren im Vergleich zu den englischen Teams an Boden, konnten uns aber dennoch knapp auf dem Podest halten. Mit dem dritten Platz starteten wir erfolgreich in die UK Saison 2026.
Cape 31 UK Series – Round 2: IRC Europeans / Poole Regatta
22. – 24. Mai 2026, Poole, Dorset, Grossbritannien
Der zweite Event führte uns nach Poole, etwas weiter westlich. Poole liegt in einer wunderschönen Bucht, und der Segelsport wird dort zelebriert. Für die Yacht bedeutete das eine Reise von etwa vier Stunden, mit dem Van waren es rund zwei Stunden Fahrt.
Die Wettervorhersagen waren eher für den Mittelmeerraum als für England, aber schlussendlich sind es jedes Mal für alle Teams die gleichen Voraussetzungen. Von der Marina mussten wir jeweils eine Stunde unter Motor bis ins Regattagebiet fahren. Das gab uns Zeit, die Yacht vorzubereiten: Auch wenn der Wind vor Ort jeweils anders war, konnten wir die Grundeinstellungen am Mast setzen, die Segel für den ersten Trainingsschlag wählen und uns verpflegen.
Das Pfingstwochenende war geprägt von südlichem Wetter. Temperaturen, die so hoch waren wie noch nie, liessen uns zum ersten Mal in Shorts und T-Shirts segeln. Für den Mai in England hatten wir das sicherlich nicht erwartet. Dieselbe Wetterlage brachte leider aber auch die leichten Winde mit sich. Die Wettfahrten wurden teilweise knapp am Limit von fünf Knoten Wind gesegelt, was für alle Teams herausfordernd war. Dennoch konnten wir unseren ersten Laufsieg in der Cape 31 Klasse erkämpfen. Leider waren unsere Resultate zu unbeständig und wir mussten neben den Topresultaten auch frustrierende Momente verarbeiten. Die gemeinsame Zeit, die wir am Samstagabend an einem teaminternen Ruderwettbewerb verbrachten, schweisste uns als Einheit noch mehr zusammen. Leider ermöglichten es die Verhältnisse am Sonntag nicht, eine Wettfahrt durchzuführen. Die Regattaleitung versuchte ihr Bestes und hatte an diesem Wochenende unter diesen Umständen eine hervorragende Leistung erbracht, um möglichst viele Races durchzuführen.
Cape 31 UK Series – Round 3: Royal Southern Summer Series
12. – 14. Juni 2026, Hamble-le-Rice, Southampton, Grossbritannien
Die Wettervorhersagen zum dritten Event versprachen komplett andere Verhältnisse. Sturm und Regen waren für die Region Southampton vorausgesagt. Nach der Ankunft in der Marina machten wir uns sofort aufs Wasser, in der Hoffnung, dass der Wind noch nicht zu stark sei. Einige Teams kamen bereits wieder zurück und lachten, weil wir aufs Meer fuhren. Die Zahl für die Windgeschwindigkeit auf dem Display stieg immer weiter, und wir konnten bald nicht mehr unterscheiden, ob das Wasser in der Luft vom Regen oder von der Gischt kam, welche über die Yacht spritzte. Grundsätzlich setzten wir uns selbst ein Limit von 25 Knoten, wenn die Böen nicht zu hoch waren. Bald einmal lag die Grundgeschwindigkeit über 28 Knoten, und als eine Böe die Zahl auf dem Display auf 38 Knoten hochschnellen liess, drehten wir um.
Der erste Wettkampftag empfing uns mit etwas weniger Wind und nicht mehr so viel Regen. Dennoch zeigte das Display beim Windmesser teilweise bis zu 28 Knoten Windgeschwindigkeit an. Wir trimmten den Mast entsprechend und entschieden uns, mit der J4 zu segeln, die als Sturmfock konzipiert ist. Mit einem Frühstart kamen wir schon denkbar schlecht ins Rennen, dennoch schafften wir es, den Abstand bis zur Luvboje gering zu halten. Die Devise war, unter Spinnaker anzugreifen. Zu viel Motivation führte dazu, dass die Yacht aus dem Ruder lief, das Spifall nicht kontrolliert gelöst wurde und der Spinnaker ins Wasser und unter die Yacht rauschte. Das Spifall ist jene Leine, mit welcher der Spinnaker gesetzt und wieder geborgen wird – gibt man sie zu schnell frei, fällt das Segel unkontrolliert. Das Rennen war gelaufen… Wir konnten den Spi, wie das Segel im Bordjargon heisst, ohne Schaden bergen und nutzten die Zeit bis zum nächsten Rennen, um zu trainieren. Der Start zum zweiten Rennen erfolgte besser. Etwa auf halber Strecke zur ersten Wendemarke brach die Befestigung des Vorsegels, und das Segel riss aus dem Vorstag. Wir konnten das Segel bergen und stellten erleichtert fest, dass die Nut des Vorstags, in der das Segel gehisst wird, nicht beschädigt war. Entsprechend versuchten wir, uns auf das letzte Rennen zu konzentrieren. Unser Ziel war, wenigstens ein Rennen am ersten Tag ins Ziel zu bringen, was uns mit einem sechsten Platz schlussendlich auch gelang. Beim anschliessenden Briefing versuchten wir auch anhand von Onboard-Kameras genau zu eruieren, warum uns der Start so missraten war. Grundsätzlich haben wir unsere tägliche Routine – Timing beim Auslaufen, Einsegeln, Startvorbereitung etc. – nicht eingehalten, weil kurz vor dem Ablegen ein Schaden an der Windmessanlage festgestellt wurde.
Den zweiten Wettkampftag starteten wir fulminant mit einem Laufsieg. Wir zeigten, dass unsere Moral vorhanden ist und wir den ersten Tag wegstecken konnten. Konzentriert starteten wir auch in den zweiten Lauf, welchen wir auf dem zweiten Platz beenden konnten. Mit einem fünften Platz beendeten wir den Tag. Leider war es am Sonntag wieder sonnig und wärmer, was dazu führte, dass nur ein Lauf stattfinden konnte. Mit den zwei nicht gesegelten Wettfahrten vom ersten Tag war unsere Punktzahl so hoch, dass wir ein avisiertes Top-5-Resultat nicht umsetzen konnten.
Mehr Bilder zu den Black Star Sailing UK Series Regattas findest du auf unserer Cape 31 Bildergalerie.
44Cup Marstrand
24. – 28. Juni 2026, Marstrand, Schweden
Mit dem guten Saisonauftakt im Rücken reisten wir nach Schweden. Anders als in den Jahren zuvor erwartete uns ein sonniges und warmes Marstrand. Warm ist im Verhältnis zur Schweiz im Juni allerdings relativ – die meisten unter uns waren aber froh, den heissen Temperaturen im Süden entfliehen zu können, und genossen die 22 Grad.
Entsprechend den warmen Temperaturen waren auch die Windbedingungen moderat. Wir hatten einen sehr guten Trainingstag sowie einen erfolgreichen Practice-Race-Tag und konnten gut vorbereitet in den Wettkampf starten.
Mit einem Sieg starteten wir in den Marstrand Event und doppelten im zweiten Lauf gleich nach. Auch mit einem verhaltenen Start im dritten Lauf und dem daraus resultierenden siebten Platz beendeten wir den Tag zusammen mit dem Team Artemis in Führung – der beste Tag in der Geschichte des Black Star Sailing Teams in der RC44 Klasse.
Auch den zweiten Tag beendeten wir in Führung, wenn auch nur noch mit einem Punkt Vorsprung. Das Resultat eines ersten Rennens im Mittelfeld, gefolgt von einem weiteren Sieg und leider einem Platz am hinteren Ende. Das Feld rückt overall erneut näher zusammen, die Abstände werden noch kleiner, und an den Wendemarken wird buchstäblich um jeden Zentimeter gekämpft.
Der dritte Tag lief leider nicht mehr wie gewünscht, obwohl wir einen guten Start erwischten. Eine falsche Entscheidung in einem Manöver warf uns von einem Spitzenplatz unter den ersten drei auf den letzten Rang zurück. Dennoch schafften wir es, uns bis zum Zieleinlauf auf den sechsten Platz zurückzukämpfen. Nachdem wir im siebten und achten Rennen erneut mit Startschwierigkeiten und Penalties zu kämpfen hatten, fielen wir auf den vierten Gesamtrang zurück.
Wie in vergangenen Jahren musste auch dieses Jahr auf einen Renntag verzichtet werden. Dieses Mal jedoch, weil es statt zu viel zu wenig Wind hatte. Für uns besonders ärgerlich, da uns damit die Möglichkeit verwehrt blieb, das Gesamtresultat noch zu verbessern. So beendeten wir die Regatta auf dem vierten Platz.
Wie umkämpft die Plätze sind, zeigt sich unter anderem daran, dass zwischen dem ersten und dem sechsten Platz nur zehn Punkte Differenz liegen. Und dass konstant zu segeln sich letztlich auszahlt, zeigt sich wiederum daran, dass das siegreiche Team Charisma keinen einzigen Lauf gewonnen hat.
Mit diesen Erkenntnissen, der Bestätigung unseres Aufwärtstrends sowie der Beobachtung, dass die Chemie stimmt und wir als Team bis zum Schluss fighten, blicken wir dem nächsten RC44 Event entgegen: der 44Cup Weltmeisterschaft in Cowes.
Die Resultate der Regatta findest du im Detail auf der offiziellen 44Cup Website unter Results/44Cup Marstrand:
Die Regatta als GPS-Tracking-Aufzeichnung nachverfolgen kann man auf TracTrac unter folgendem Direktlink:
Finde mehr Fotos zur Regatta in unserer RC44 Bildergalerie auf unserer Website oder auf unserem Instagram-Kanal.
Cape 31 UK Series – Round 4: Cape 31 National Championships
3. – 5. Juli 2026, Hamble-le-Rice, Southampton, Grossbritannien
Kurz nach dem RC44 Event in Marstrand führte die Reise wieder nach Hamble-le-Rice am Solent. Endlich waren die Wettervorhersagen so, wie wir sie erwartet hatten und wie sie unseren Entscheid bestärkt hatten, nach England zu gehen: Seabreeze auf dem Solent. Der Punkt auf dem i war, dass es sonnig und für England warm war und uns heisse Tage im wahrsten Sinne des Wortes erwarteten.
Die Anreise erfolgt für das Team jeweils am frühen Donnerstagmorgen mit den ersten Fliegern ab unseren jeweiligen Wohnorten, da die Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen in die Marina nochmals rund eineinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Bis jetzt haben wir es jedes Mal geschafft, unser Ziel «Dock out 12.00 Uhr» zu erreichen. Bei moderaten 15 bis 18 Knoten Wind konnten wir mit den anderen Teams den ganzen Nachmittag trainieren. Am Freitag ging es sogleich los. Nach dem Wiegen der Crew – wir dürfen zusammen maximal 595 Kilo wiegen – gingen wir aufs Meer. Bei 18 bis 22 Knoten Wind segelten wir vier Läufe, welche wir jeweils im Mittelfeld beendeten. Wir kamen mit den Bedingungen gut zurecht, hatten jedoch teilweise Abstimmungsprobleme bei den Manövern. Da unser «Bowman» ersetzt werden musste, zeigte es sich einmal mehr, dass ein eingespieltes Team unheimlich wichtig ist. Der Ersatzmann meisterte seinen Job jedoch mit Bravour! Am zweiten Tag blies die Seabreeze kräftig mit bis zu 26 Knoten Wind. Wir konnten mit der Spitzengruppe mithalten, hatten gute Starts und waren an der ersten Wendemarke immer in den Top 3, verloren aber immer wieder bei den Manövern. Auch am Sonntag konnten wir bei wieder moderaten Winden segeln, sodass alle ausgeschriebenen neun Rennen absolviert werden konnten. Wir beendeten die Regatta auf dem vierten Platz, drei Punkte hinter dem zweiten Rang. In den Debriefings während der Renntage und im Austausch nach der Regatta wurde offen diskutiert, wo die Mängel liegen.
Die Antwort war unbequem, aber einhellig: Am Speed liegt es nicht. Es sind die Manöver.
Daran arbeiten wir in der kurzen Pause, die uns nun bleibt. Anfang August geht es mit der Cowes Week für die Cape 31 weiter – an gleicher Stelle, wo im September zufälligerweise auch die Weltmeisterschaft der RC44 Klasse stattfindet.
Wir wünschen euch einen schönen Sommer und danken euch fürs Mitfiebern.
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Mehr Informationen zu den kommenden Black Star Sailing Regattas findest du unter Events.
Photocredits: Cape 31 International Class Association 2026, Mégan Bartholomew; RC44/44Cup Org. Andrew Conan, Nico Martinez, Sailing Energy